Musik­gesellschaft Harmonie Lichtensteig

feel the music

Unser nächster Auftritt

31. Dez

Öku­m. Silvester-Gottesdienst

17.00 Uhr

Evang. Kirche

Die heutige Musikgesellschaft Harmonie Lichtensteig wurde 1901 gegründet. Sie ist aber nicht die erste Formation dieser Art, die in Lichtensteig bestanden hat. Seit 1820 wurden in der ganzen Schweiz Blasmusikvereine aus der Taufe gehoben. Als Stölzel 1814 die Dreh­ventile patentieren liess und kurze Zeit später französische Instrumentenbauer die Stöpsel­ventile (Piston genannt) erfanden, wurden die Blechblasinstrumente revolutioniert. Von jener Zeit an entwickelten sich eigentliche Instru­mentenfamilien, die alle Stimmlagen vom Bass bis zum Sopran und Diskant abdecken konn­ten. Dies machte die bis anhin fast ausschliesslich Berufsmusikern vorbehaltenen Blechblas­instrumente für den allgemeinen Gebrauch tauglich. Es setzte ein Boom und Wettstreit mit Gründungen von Musikgesellschaften ein.

Erste Musikgesellschaft 1825

1825 wurde in Lichtensteig eine katholische Kirchenmusik-Gesellschaft aus der Taufe geho­ben, die sich in die Anfänge des 20. Jahrhun­derts retten konnte. Im selben Jahr entstand ei­ne Musikgesellschaft, die aber nur bis 1847 Bestand hatte. Es gab im 19. Jahrhundert meh­rere Musikvereine im Toggenburg, die aber im­mer wieder aufgelöst wurden. So fand sich bei­spielsweise am 30. April 1838 im «Toggenburger Boten» ein Inserat in der die Toggenburgische Feldmusikgesellschaft ihre Instrumente freiwillig versteigerte. Im April 1850 suchte man per Inserat nach Kleidermachern, die Uni­formen für das Musikkorps des Militärbezirks Lichtensteig herstellen sollten.

Zwischen 1873 und 1884 existierte ein Toggenburger «Marsverein» dessen rege Konzerttätigkeit in unzähligen Inseraten und Zei­tungsartikeln im «Toggenburger Boten» belegt ist. Die Auftritte konzentrierten sich haupt­sächlich auf Lichtensteig und Ebnat, was auf den regionalen Charakter der Formation schliessen lässt. Die eigentliche Vorgängergesellschaft der «Harmonie» war die Musikgesell­schaft «Concordia» Wattwil-Lichtensteig, die 1894 ihre Anfänge nahm, die aber 1899 wie­der aufgelöst wurde. Ihre Mitglieder aus Lichtensteig fanden Ende des Jahres 1900 die Zeit sei gekommen, um ihre eigene Gesellschaft in Lichtensteig zu gründen.

Inserat zum ersten Auftritt der «Harmonie».

Sechs Mitglieder der früheren Musikgesellschaft «Concordia» Wattwil-Lichtensteig und drei weitere Sympathisanten trafen sich am 28. April 1901 im Restaurant «Zur Hoffnung» um eine offizielle Gründung der Musikgesellschaft «Harmonie» Lichtensteig zu vollziehen. Ziel dieser Vorversammlung war, weitere Interes­senten für die Blasmusik zu finden und eine Hauptversammlung zu organisieren. Musikdi­rektor August Zahner, Chorleiter und Kirchen­musiker, konnte als Dirigent der kleinen Bläser­formation gewonnen werden und hielt mit ihr am 12. Mai 1901 eine erste Probe ab.

«Josefs-Kommission»

An der Hauptversammlung vom 7. Juni 1901 wählten die damaligen Mitglieder der einfa­chen Gesellschaft einen dreiköpfigen Vorstand. Josef Jud wurde zum Präsidenten, Josef Bolt zum Kassier und Josef Brändli zum Aktuar ge­wählt. August Zahner wurde als Dirigent be­stätigt und setzte die Probenarbeit mit 13 Ge­treuen im Saal der «Hoffnung» fort. Seinem Wirken war jedoch kein langer Erfolg beschie­den, schon im Herbst des Gründungsjahres hatte die junge Gesellschaft ihren ersten Diri­gentenwechsel. Gleich viermal vollzog sich in den ersten drei Vereinsjahren ein solcher Wechsel. Vielleicht lag das auch am bescheide­nen Lohn von einem Franken pro Probe.

Zum ersten Mal in Uniform (1904).
Schweizer Blechmusik

Typisch für die Deutschschweizer Blasmusik­besetzung war die Berücksichtigung deutscher wie auch französischer Errungenschaften des Instrumentenbaus im 19. Jahrhundert. So sah die erste Besetzung der «Harmonie» wie folgt aus: Zwei Pistons (Vorläufer des Kornetts) teil­ten mit zwei Flügelhörnern die Stimmführung im Sopran. Eine Es-Trompete und ein Es-Horn füllten die Altlage und hatten hauptsächlich die Begleitfunktion. Gegenstimme und Melo­dieführung im Tenor oblag zwei Tenorhörnern. Eine Posaune unterstützte mit ihrem markigen Klang sowohl Begleitung als auch Tenor und verstärkte die Wirkung der Basssoli. Eine Bass­tuba bildete das Fundament.

Erstes Erfolgserlebnis

Der erste August 1901 war ein wichtiges Da­tum und zeigte eine positive Entwicklung für den Bestand der jungen Musikgesellschaft. Was neu ist hat bekanntlich nicht nur Sympa­thisanten und so war der erfolgreiche Auftritt an der Lichtensteiger Bundesfeier wie eine klei­ne Feuertaufe zu verstehen. Für die Probe vom 10. August mussten bereits zusätzliche Instru­mente organisiert werden und die «Harmonie» erhielt ein zweites Es-Horn, ein drittes Tenor­horn, eine zweite Posaune und eine zweite B-Tuba.

Musikanten an der Schulhaus-Einweihung.
Zerstrittenes Häuflein

Uneinigkeiten und kleinere Streitereien be­herrschten das frühe Vereinsgeschehen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit war die Auflösung der «Concordia» Wattwil-Lichtensteig und die Bildung der Lichtensteiger Musikgesellschaft schon das Resultat von Uneinigkeiten, die ihren Ursprung im dörflichen Stolz hatten. Innerhalb der Harmonie herrschte in den ersten Jahren ein ständiges Auf und Ab, bis 1903 Robert Manns aus Wattwil die musikalische Leitung übernahm. Er blieb als sehr tüchtige Kraft in Er­innerung, denn schon in seinem Antrittsjahr nahm die Musikgesellschaft an ihrem ersten Musikfest teil. Der Musikverband im Linthgebiet hatte 1903 seinen ersten Musiktag in Kalt­brunn organisiert und die Lichtensteiger nah­men die Einladung als Gastsektion voller Stolz an.

Für das Musikfest in Kaltbrunn, wo eine zufriedenstellende Leistung erzielt wurde, schaff­te die «Harmonie» Binsenhüte an, die unter dem Erfolg und vor allem auf dem Heimweg arg gelitten hatten. 1904 erhielten die Musi­kanten ihre erste komplette Uniform. Kein öf­fentlicher Anlass kam ohne musikalische Um­rahmung aus. Deshalb stellte der junge Verein mehrmals die legitime Forderung nach öffentli­cher Unterstützung, die 1909 Gehör fand und mit jährlichen 200 Franken nicht bescheiden ausfiel. Die Höhepunkte in den ersten zehn Jahren der Harmonie waren die Auftritte bei der Einweihung des neuen Schulhauses am 6. September 1906 und die Einweihung der Bo­densee-Toggenburg-Bahn am 1. Oktober 1910.


♦ 28. April 1901 Gründungsversammlung   ♦ 12. Mai 1901 Erste Probe   ♦ 1. August 1901 Erstes öffentliches Konzert   ♦ 1903 Binsenhüte als Uniform   ♦ 23. August 1903 Musiktag in Kaltbrunn   ♦ 1904 Erste komplette Uniform   ♦ 1910 Einweihungsfeier der Bodensee-Toggenburg-Bahn


Musikdirektor Julius Heitz aus Wattwil über­nahm im Jahre 1911 die Leitung der Musikge­sellschaft «Harmonie» Lichtensteig. Während seiner zweijährigen Direktionszeit unternah­men die Musikanten zwei grössere Ausflüge, einen nach Zürich und einen anderen nach Konstanz. Eine wesentliche Änderung im Ver­lauf der Vereinsgeschichte brachte die Wahl ei­nes ausgewiesenen Musikdirektors aus Winterthur.

Glanzvolle Zeiten trotz Krieg

Am zweiten Dezember 1913 leitete Musikdi­rektor Gustav Kahlfeld seine erste Probe in Lichtensteig. Bereits im Februar 1914 wurde ein Konzert in der Turnhalle veranstaltet, das bei vollem Haus einen ersten Erfolg des neuen Leiters brachte. Damit begann für den Verein eine Epoche der Leistungsfähigkeit. «Die musi­kalischen Leistungen sind von Konzert zu Kon­zert in ihrem künstlerischen Wert gestiegen», berichtete ein Zeitgenosse im «Toggenburger Boten». Kahlfeld war bestrebt, die Leistungs­fähigkeit unter ständigen Beweis zu stellen und besuchte alle Toggenburger Musikfeste mit Erfolg. Auch während dem Ersten Welt­krieg brach die Vereinsgeschichte nicht gänz­lich ab. Alle Männervereine hatten in dieser Zeit mit demselben Problem zu kämpfen. Ihre Mitglieder im Alter zwischen 20 und 50 Jahren wurden zeitweilig zum Aktivdienst eingezo­gen. Einige Auftritte konnten deshalb auch in Lichtensteig nicht stattfinden, wie die Bundes­feier 1915, und der Probenbetrieb erlitt meh­rere Unterbrüche, die aber nie länger als drei Wochen dauerten.

Echte Eidgenossen

1862 wurde der Eidgenössische Militär- und Volksmusikverein gegründet. Um 1900 wurde dieser nationale Verein umbenannt und hiess bis 1989 Eidgenössischer Musikverein. 1914, also in der Schaffenszeit von Gustav Kahlfeld, trat die Musikgesellschaft Lichtensteig dem Eidgenössischen Musikverein bei. Dieser Schritt war ein klares Signal, am musikalischen Ge­schehnis in grösserem Rahmen teilnehmen zu wollen, was wohl auf Initiative des Musikdirek­tors geschah.

1914 präsentierte sich die "Harmonie" zum ersten Mal in der Lichtensteiger Turnhalle mit Musikdirektor Gustav Kahlfeld.

1913 Musikdirektor Gustav Kahlfeld läutet erfolgreiche Ära ein   ♦ 1914 Erstes grosses Konzert in der Turnhalle   ♦ 1914 Eintritt in den Eidgenössischen Musikverein   ♦ 1914-1918 Erster Weltkrieg   ♦ 1919 Erster Toggenburger Muisktag in Lichtensteig   ♦ 1920 Zweiter Toogenburger Musiktag in Kirchberg


Eidgenössisches Musikfest in Zug (1923).

Das Jahr 1921 begann verheissungsvoll mit dem Neujahrskonzert in der Turnhalle. Dassel­be Jahr bot aber auch eine herbe Enttäu­schung. Der Verein wollte am Eidgenössischen Musikfest in Zug teilnehmen und war bereits fleissig am Proben eines Wettstückes: Eine Be­arbeitung der Ouvertüre zur Oper «Rübezahl» von Friedrich von Flotow. Im April kam aber die Nachricht, das Musikfest sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Das erste «Eidgenössische»

Im August 1923 kam für die «Harmonie» Lichtensteig die grosse Stunde. Sie nahm am Eidgenössischen Musikfest in Zug in der zwei­ten Kategorie teil. Dieser erfolgreiche Auftritt war der Höhepunkt der zwölfjährigen, leis­tungsorientierten Schaffenszeit von Gustav Kahlfeld, der kurz nach dem Neujahrskonzert 1924 während einer Probe mit der Stadtmusik Winterthur einen Schlaganfall erlitt und ver­starb. Die Lichtensteiger reisten nach Win­terthur, wo sie ihrem Förderer zusammen mit der Stadtmusik die letzte Ehre in einem Trauer­zug erwiesen. Die Krönung der Erfolgsgeschichte Gustav Kahlfelds sollte die Fahnenwei­he am 29. Juni 1924 werden. Das Fest konnte mit einem Aushilfsdirigenten und der Paten­sektion «Concordia» Uzwil trotzdem durchge­führt werden. Im selben Jahr trat die Har­monie Lichtensteig dem neu gegründeten St. Galler Kantonal Musikverband bei.

Es wehte der «Nordwind»

Am 7. August 1924 wurde Musikdirektor Fritz Voigt zum Dirigenten gewählt und leitete das musikalische Geschick bis 1926. Ein auf­strebender Lichtensteiger namens Ludwig Schultze nahm Voigts Stelle ein. Der ehrgeizige Mann hatte viele Veränderungen im Vereinsleben vor. Unter Schultzes Leitung wurde im Januar 1927 die Jubiläumsfeier zum 25-jähri­gen Bestehen in der Turnhalle abgehalten. Ehrenpräsident Gebhard Frei soll die Feier mit einer markanten Ansprache eröffnet haben und war stolz auf die 22 Aktiv- und über 200 Passivmitglieder, die der Verein zählen konnte.

Der neue Dirigent sorgte mit seinen Ideen für ziemlichen Aufruhr. Nachdem ständige Proble­me mit ihm zum Rücktritt des Präsidenten geführt hatten, trat Ludwig Schultze in einer ausserordentlichen Hauptversammlung im Oktober 1927 aus den Verein.

Erste Fahnenweihe auf dem «Goldenen Boden» (1924).
700 Jahre Lichtensteig

Nach drei Wechseln in der Direktion wurde 1928 Fritz Voigt aus Rorschach zurückgeholt. Im selben Jahr nahm die «Harmonie» am ers­ten St. Galler Kantonal Musikfest in Wattwil teil. Für Lichtensteig war 1928 ein historisches Erignis, das Städtli feierte sein 700-jähriges Bestehen. Im grossen Festumzug am 2. Sep­tember wurde die Musikgesellschaft auch erstmals in einem bewegten Film festgehalten.

Im Alter von erst 47 Jahren verstarb 1930 der bestbewährte Musikdirektor Fritz Voigt. Lud­wig Schultze sah seine Zeit gekommen und wurde am 12. Juli nach teils hitziger Diskussion zum Dirigenten gewählt.


 ♦ 1921 Neujahrskonzert in der Turnhalle   ♦ 1923 Erfolg am Eidgenössischen Musikfest Zug   ♦ 1924 Grosser Trauerzug für Gustav Kahlfeld in Winterthur   ♦ 29. Juni 1924 Fahnenweihe auf dem «Goldenen Boden»   ♦ 1927 Jubiläumsfeier 25 Jahre «Harmonie»   ♦ 1928 Erstes Kantonalmusikfest in Wattwil


Die beginnenden Dreissigerjahre waren von der Wirtschaftskrise überschattet. Wenn man erlebten Erzählungen jener Zeit lauscht, so hat­ten auch im Toggenburg viele Familien kaum das Nötigste zum Leben, Tagelöhnerei war weit verbreitet. Der Schulrat bat den Präsidenten der «Harmonie» gar um einen finanziellen Bei­trag, damit den Kindern eine Schulreise gebo­ten werden konnte. In dieser Krisenzeit lag ei­ne Teilnahme an grossen Musikfesten, wie des Eidgenössischen von Bern 1931, nicht drin.

Toggenburger Musiktag (1931).
Musiktag in Lichtensteig

Am 7. Juni 1931 wurde in Lichtensteig der elfte Toggenburger Musiktag mit 18 Musikfor­mationen durchgeführt. Ein grosser Festumzug mit Marschmusik, verschiedensten Vereins­gruppen und geschmückten Wagen eröffnete den Feiertag. Die Wettstücke wurden auf der Wiese neben der Stickerei Leemann im freien Feld vorgetragen, das heisst ein kleiner Zeltpa­villon überdeckte lediglich die spielenden Musikgesellschaften. So mussten die letzten acht Vereine vor sehr wenig Publikum mit Regen­schirmen auftreten. In Reaktionen nach dem Fest war bereits die beginnende politische Un­ruhe zu spüren. Rechtsgerichtete Berichterstat­ter benützten Teile der Ansprache des Festredners und OK-Präsidenten Dr. Paul Kaufmann zu Propagandazwecken.

Sängertag Lichtensteig (1938).
Zeit für grosse Feste

Die «Harmonie» liess von nun an kaum einen Festanlass aus. 1932 spielte sie in Bazenheid am Toggenburger Musiktag Ausschnitte aus ei­nem Werk, das damals sehr in Mode war: «Die Meistersinger von Nürnberg» von Richard Wagner. 1934 wurde in Gossau ein Kantonales Musikfest organisiert. Die «Harmonie» Lichten­steig reihte sich zu den Stadtmusiken von Rorschach und St. Gallen und nahm ausser Kon­kurrenz am Fest teil. In einem festlichen Gala­konzert traten die Lichtensteiger mit der Ton­dichtung «Finlandia» von Jean Sibelius auf. Vom 27. bis 29. Juli 1935 veranstaltete der Eid­genössische Musikverein ein Musikfest in Luzern. Die Lichtensteiger nahmen daran sehr er­folgreich teil und belegten den ersten Rang in der dritten Kategorie der Blechmusiken (die der heutigen zweiten Klasse entsprechen würde).

Basstubas im Gleischritt.
Gute Blattspieler gefragt

Ein wesentlicher Unterschied zu heutigen Blasmusikwettbewerben war der «Stunden­chor», das heisst den teilnehmenden Musik­korps wurde eine Neukomposition direkt am Spielort vorgelegt. Nach einer Stunde üben war sie vorzutragen. Die Mitglieder der «Har­monie» mussten morgens um fünf Uhr in Lich­tensteig abreisen, um rechtzeitig ihren Primavista-Vortrag in Luzern absolvieren zu können. Am Samstag, 27. Juli, gingen alle wichtigen Auftritte über die Bühne und am Sonntag war eine Beteiligung am fast vierstündigen Festakt mit Gesamtchören Ehrensache. Zum Schluss nahm die «Harmonie» Lichtensteig voller Stolz den Lorbeerkranz mit Gold in Empfang. Der Montag diente einer gemütlichen Vereinsreise mit Schiff und Eisenbahn, die von Luzern nach Brunnen und von Arth-Goldau über Rapperswil in das heimische Felsenstädtchen führte. Der Empfang durch Behörden und Bevölkerung von Lichtensteig zeugte von grosser Verbun­denheit.

Modernes Repertoire

Das Repertoire der «Harmonie» Lichtensteig war in den Dreissigerjahren sehr modern. Die meisten Musikgesellschaften spielten Trans­kriptionen klassischer Orchesterwerke und meist schwierige Märsche. Ouvertüren aller be­kannten Opern füllten auch in Lichtensteig die Konzertprogramme. An Toggenburger Musik­tagen waren von der «Harmonie» aber als ein­zige Teilnehmerin erste Originalkompositionen zu hören, wie 1937 die «Slavische Rhapsodie» von Carl Friedemann. Märsche standen hoch im Kurs, so gaben die Lichtensteiger 1937 ein Marschmusikkonzert mit Märschen aus Frank­reich, Italien, Ungarn, England, Schweden, Österreich, Deutschland, Mexiko, USA und der Schweiz. 1940 spielte die «Harmonie» im «Kronen»-Saal erstmals konzertante Werke von Schweizer Blasmusikkomponisten wie Ste­phan Jäggi.


1931 Elfter Toggenburger Musiktag in Lichtensteig   ♦ 1934 Kantonalmusikfest in Gossau   ♦ 1935 Eidgenössisches Musikfest in Luzern 1. Rang 3. Kategorie   ♦ 1936 Toggenburger Kreismusiktag in Nesslau   ♦ 1937 Konzert mit Originalwerken für Blasmusik   ♦ 1940 Konzertante Musik von Schweizer Komponisten


Hans Müller als stolzer Dirigent.

Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges wa­ren auch in Lichtensteig zu spüren. Die meisten Männer wurden zum Aktivdienst eingezogen. Es gab auch Mitglieder der «Harmonie» mit deutschem Pass, die in die Wehrmacht eintra­ten. Nebst diesen Absenzen sorgten internierte Kriegsgefangene, vor allem jene aus Zypern, für exotische Abwechslung im Städtli. Der Ver­einsbetrieb der «Harmonie» wurde aber fast durchgehend aufrecht erhalten.

Ende einer Laufbahn

Musikdirektor Ludwig Schultze beendete 1944 seine fünfzehnjährige, sehr erfolgreiche Laufbahn als Dirigent der «Harmonie». An sei­ne Stelle trat der junge Hans Müller aus Wil, der 1945 erstmals das Neujahrskonzert im «Kronen»-Saal leitete. Er war ein passionierter Marschkomponist und eröffnete dieses Kon­zert mit einer Eigenkomposition.

Fasnacht in Lichtensteig (1949).
«Die Freiheit siegt»

Das Kriegsende sorgte für grosse Erleichte­rung, es war in der ganzen Schweiz Anlass für Feierlichkeiten, obwohl die Wunden noch lange ganz Europa in Atem hielten. Am 1. Juli 1945 organisierte die Musikgesellschaft erst­mals ein Gartenfest bei der Brauerei Neuhof an der Loretostrasse (später Brauerei Burth). Die «Concordia» Uzwil spielte zusammen mit der «Harmonie» als Gastverein, da auch sie von Hans Müller ge­leitet wurde. Die Lichtensteiger überraschten damals ihr Publikum mit der Uraufführung ei­nes Marsches ihres Dirigenten mit dem poli­tisch motivierten Titel «Die Freiheit siegt».

Es geht aufwärts

Gemeinsam Festanlässe zu organisieren ist keine neue Idee. Der Vorteil solcher Feste wur­de erkannt, da schon durch den grösseren An­hang mehr Publikum zu erwarten war. So ver­anstalteten am 28. Juli 1946 die Musikgesell­schaft und der FC Bunt ein grosses Waldfest im «Bohl». Zu Gast war der Jodelclub Ebnat-Kap­pel und viele weitere kleine Musikformationen, die Ländler- und Tanzmusik spielten.

1947 besuchte die «Harmonie» Lichtensteig unter der Leitung von Hans Müller das St. Gal­ler Kantonal Musikfest in Altstätten und konn­te in der zweiten Kategorie einen grossen Erfolg feiern. Sowohl beim Selbstwahlstück als auch beim Aufgabenstück erhielt die Harmonie die Höchstnote für Gesamteindruck und Tonbildung. Die Ostschweizer Presse berichtete: «Lichtensteig fiel durch eine Tonreinheit auf, die bei reinen Blechmusikern kaum für möglich gehalten wurde».

Präsentation der neuen Uniform auf dem Bahnhofplatz (1949).
Neue Uniform eingeweiht

Am 7. und 8. Mai 1949 weihte die «Harmo­nie» eine neue Uniform mit einem grossen Volksfest und Musiktreffen ein. Neun Musikgesellschaften, unter anderen die ebenfalls von Hans Muller geleitete Stadtmusik Wil, bestrit­ten am Sonntag das grosse Festprogramm. Ei­ne Festhütte mit 1500 Sitzplätzen bot dazu im «Hof» den geeigneten Rahmen. Eröffnet wurde das Musiktreffen durch die «Harmonie» mit einer Uraufführung, dem Marsch «Erwachendes Leben» von Hans Müller. Mit einer Bearbei­tung von Richard Wagners Ouvertüre zu «Tannhäuser», die ebenfalls von Müller gefer­tigt wurde, setzte die Stadtmusik Wil den Schlusspunkt des in allen Teilen erfolgreichen Festes.


1945 Hans Müller dirigiert die «Harmonie»   ♦ 1945 Fest zum Kriegsende   ♦ 1945 Uraufführung «Die Freiheit siegt»   ♦ 1946 Waldfest mit dem FC Bunt   ♦ 1947 St.Galler Kantonak Musikfest in Altstätten mit Höchstnoten   ♦ 1949 Neuuniformierung mit grossem Musikfest


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